Crevetten

“Als kleines Kind hatte ich Angst vor Crevetten.”
Der Löffel schabte herum, schob den Reis hierhin, dorthin, vermischte sich mit der dicken Konsistenz des Mungos. Es ähnelte Gekotztem, der Grund weshalb ich das Gericht nie wirklich mochte.
“Wahrscheinlich wegen Pierre…”
“Was? Du kanntest Pierre schon damals?”
Der Saft floss in eine Ecke des Tellers, sammelte sich dort an. Wir beide starrten die Ecke an, ehe sie den Löffel wieder nahm, Reis und Mungo dorthin schob – mischte, mischte. Sie hatte Spaß daran mit dem Essen zu spielen. Was für Manieren…
“Nein, nein. Nicht der Pierre. Pierre Angelou. Mein bester Freund damals… oder so. Bis ich 9 wurde, jedenfalls. Dann mochte er mich nicht mehr.”

Als sie die Lippen spaltete um zu essen wandte ich den Blick ab. Ich hasste es wie es aussah. Hasste die Geräusche die der Mensch dabei machte. Es war so widerlich.
“Jedenfalls, Pierre, er hat mir erzählt… dass er es hassen würde. Crevetten zu essen, meine ich. Es würde ihn an widern. Die Haut die man dabei ab pulen muss, die kleinen Beinchen, den Kopf der dabei weg gerissen wird… die Tatsache dass einige sogar noch den Kopf sauber saugen.”
Sie schob die kleinen Crevettenstücke beiseite, zu den Zwiebeln. Sie hasste Zwiebeln.
“Ich kleiner Idiot damals habe mir das alles vorgestellt… anders, meine ich… und dann hatten wir am Abend auch noch die Dinger… es war so grausam. Ich bekam keinen Bissen runter.”

Der Löffel, schwer in meiner Hand, während ich im Teller den Reis hin und her schiebe, die Bauchkrämpfe dabei ignoriere. Der Löffel, an dessen Geschmack ich mich mittlerweile gewöhnt habe; ich häufe etwas an, esse, häufe an, esse. Nehme die Crevetten zwischen die Fingern und fange an die harte Haut abzuschälen. Erinnert mich an Plastik.
Erinnert mich an Menschen. Die Haut die man abreißt. Arme und Beine die man abtrennt. Den Kopf, den man sauber leckt, ehe das Gehirn raus gesaugt wird. Vielleicht kommt davon die saftige Konsistenz vom Gericht?
Nochmal lecke ich mir über die Lippen, ehe ich zu ihr hoch sehe.
“Willst du die noch?”

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